Von Andreas Deuring (Artikel erschienen in der Ausgabe 36, Juni/Juli 2008)

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Hans Hofmann hat mich heuer im Frühjahr gefragt, ob ich einen Bericht zur S.M. U14 für die IGU-Zeitschrift „Turm ist raus“ schreiben könnte. Die Anfrage hat mich sehr gefreut und natürlich habe ich gleich zum Tippen angefangen und folgenden Bericht verfasst:

Bezogen habe ich den Rumpf (M 1:40; Länge 1.304mm) Ende 2004, von Uwe Kai Ottenbreit. Lt. seiner Auskunft hat er den Rumpf hergestellt, die Produktion erfolgte in seiner Firma in Polen. Der Kontakt ist über eine der ersten S.M. U14 ebay Auktionen zustande gekommen. Bei dieser Auktion wurde nur der Rumpf und das Deck zum Testen der Markttauglichkeit angeboten. Ich wollte aber noch den Turm, die Messingdeckteile, Planunterlagen und einen Beschlagsatz gleich mit bestellen. Wir haben uns dann daher außerhalb der ebay Auktion geeinigt und ich habe alle verfügbaren Teile zusammen bestellt. Nach einiger Wartezeit hat der Paketservice mir dann ein rund 1,4m langes Kartontrumm vor die Tür gelegt.

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Die Rumpfausführung ist in GFK, die Verarbeitungs- und Oberflächenqualität sind ausgezeichnet! Es sind alle Nieten und die Metallplatten dargestellt. Das Oberdeck besteht, ebenfalls in bester Qualität, aus Messingätzteilen. Die mitgelieferten Planunterlagen waren leider unbrauchbar, ebenso teilweise der mitgelieferte Beschlagsatz. Pläne und eine Menge Originalbilder der S.M. U14 habe ich mir dann selber besorgt. Den RC-Einbau und die Beschlagteile sind dann ebenfalls in Eigenregie entstanden, der versprochene Technikeinbauplan wurde nicht geliefert.

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Mit dem Modell bin ist erst im Frühjahr 2008 fertig geworden. Auf diesem Wege möchte ich mich auch bei Hr. Eckhard Studte bedanken, dem einzigen mir bekannten, der zwei tauchfähige Modelle mit diesem Rumpf gebaut hat. Ich habe sein System zwar nicht übernommen, aber viele Anregungen und Tipps von Hr. Studte sind in mein Boot geflossen.

Zuerst ein paar Worte zur „echten“ S.M. U14 bzw. der Curie; Quelle: S.M. Unterseeboote, Pawlik, Baumgarnter, 1997 und andere Literatur:

Das französische Tauchboot Curie („Brumaire“ Klasse, Typ Laubeuf) wurde von einem Panzerkreuzer bis in die Höhe von Pelagosa geschleppt. Zu dem Zeitpunkt stand Italien mit Österreich-Ungarn noch nicht im Krieg. Frankreich war damals in der Adria der militärische Hauptgegner der Monarchie. Der Plan war in den Hafen von Pola einzudringen und die im Kriegshafen ankernde österreichische Flotte anzugreifen.

Die Curie ist jedoch am 20.12.1914 in eine Netzsperre geraten und von dem Zerstörer MAGNET und dem Torpedoboot T63 beschossen worden. Der Großteil der Mannschaft konnte sich retten und geriet in Kriegsgefangenschaft. Die Curie erhielt rund 100 Treffer mit Geschossen des Kaliebers 47 und 90mm, bevor sie mit offener Turmluke auf 39m Tiefe sank. Am 2. 2. 1915 begannen die Bergearbeiten und am 7. 2. 1915 wurde aus der Curie im Dock die S.M U14. Als Kommandant wurde der Linienschiffsleutnant Georg Ritter von Trapp eingesetzt. Georg Ritter von Trapp war der erfolgreichste österreichische U-Boot Kommandant. Er gelangte in der Nachkriegszeit mit seinen Kindern und seiner zweiten Frau unter dem Namen „Die Trappfamilie“ und später mit dem Musical „The Sound of Music“ zu internationaler musikalischer Berühmtheit. Die S.M. U14 wurde unter österreichischer Flagge mehrere Male umgebaut, bei Kriegsende befand sich das Boot in der Bocche di Cataro und ging danach wieder an Frankreich. Die Marine Nationale stelle die S.M. U14 am 17.07.1915 wieder als Curie in Dienst und wurde praktisch ohne technische Veränderung bis 1928 in der Flottenliste geführt. Die Geschichte der S.M. U14 habe ich hier nur kurz angerissen. Sie könnte einen eigenen Artikel ausfüllen.

Der Bau des Modells:

Zuerst muss der Bereich über dem Kiel aufgefräst werden. Dieser ist nämlich innen hohl und erzeugt somit an der tiefsten und unerwünschtesten Stelle einen Auftrieb. Noch schlimmer: Der überlaminierte Kiel war bei meinem Modell nicht überall wasserdicht. Bei den Badewannentests zur Ermittlung der groben Gewichtsverteilung und der Auftriebskraft erfolgte dauernd ein Wassereinbruch in den Druckkörper.

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Zuerst war völlig unklar woher das Wasser kam, ich konnte aber bald den Weg über den holen Kiel und die fast nicht sichtbaren Öffnungen in den Druckkörper herausfinden. Der offene Kiel wurde dann mit Ballastblei verfüllt und entgültig wasserdicht verklebt. Mein Konzept hatte ursprünglich im Bug- und Heckbereich zwei kleine freiflutenden Abteile, zwei Tauchtanks (jeweils 600ml) und im Druckköper selbst einen weiteren 500ml Tauchtank bzw. eine Regelzelle, vorgesehen. Ich wollte, um Bauzeit zu sparen (was für eine Fehleinschätzung!) unbedingt einen fertigen „Engel“ Kolbentank mit proportionaler Ansteuerung einbauen.

Mit den ermittelten, rund 16,5N Auftrieb müsste eine realistische Überfahrt zu bewerkstelligen sein. Das Problem: Der Rumpf lässt in der Mitte einen maximalen Durchmesser von ca. 80 mm, auf einer Länge von ca. 40 cm für einen Einbau zu, damit das Oberdeck noch auf den Unterwasserrumpf passt. Also alles eine sehr knappe Angelegenheit. Der M 1:40, mit einer Gesamtlänge von 1.304 mm ist für einen sinnvollen RC-Einbau daher leider eine Spur zu klein, weil die S.M. U14 sehr schmal und flach gebaut war. Ein Druckkörper in Zylinderform mit Bajonettverschluss ist daher sowieso nicht in Frage gekommen. Einen klassischen flachen Deckel mit Stiftschrauben wollte ich grundsätzlich vermeiden, daher war mein Ziel eine Äquatordichtung für die S.M. U14 zu entwickeln. Ein Deckel für das gesamte Boot, fixiert mit vier Schrauben. Alle Teile des Druckkörpers und die Auflage des Äquatorverschlusses sind aus hochfesten und leichten GFK-Platten (Bild 1) zugeschnitten und dann einlaminiert, der Deckel ist nach einem Styropormodell aus Glasfasergewebe und Epoxid-Harz abgegossen worden. An der hinteren Schott sind die beiden langsamlaufenden 12V Motoren direkt angeflanscht (Bild 2). Kurios ist, dass die beiden Propeller hintereinander versetzt montiert waren, da das Tauchboot einen äußerst schmalen Heckbereich hatte.

Bei den Drucktests zeigte sich dann das größte Problem: Die Dichtheit des Äquatorverschlusses. Der gewölbte Deckel war für eine optimale Kraftverteilung auf den Dichtgummi zu flach, alle Versuche mit den verschiedensten Materialien haben nicht zum gewollten Erfolgt geführt. Ab einem gewissen Druck ist immer wieder Wasser in den Druckkörper eingedrungen. Einer dieser Badewannentests hat mir den gesamten elektrischen Einbau innerhalb von wenigen Sekunden zerstört. Danach wurden die vier Äquatorschrauben mit den zuerst unerwünschten, herkömmlichen Stiftschrauben am Rand des Druckdeckels erweitert: Jetzt habe ich wieder viel Arbeit beim Zusammenschrauben aber das Boot ist – bis jetzt - dicht.

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Die Qualität der Oberflächen und der Ätzteile ist wie schon beschrieben bemerkenswert. Bei allen Ausführungen am Oberdeck ist darauf zu achten, dass es nicht zu schwer wird, da das U-Boot bei der Überwasserfahrt sonst leicht zu krängen beginnt (Bild 3). Das gesamte Deck, mit allen Aufbauten und Turm ist verschraubt und nicht verklebt. Bei Bedarf (z.B. Reparaturen, Ergänzungen, etc.) können daher die Teile wieder abgenommen werden. Das Deck selbst wird mit vier Schrauben am Druckdeckel und somit am Unterwasserschiff für den Betrieb montiert. Wie im Original sind die seitlichen Messingverkleidungen mit L-Trägern verbunden, das Laufdeck ist mit Holz beplankt. Unter dem Laufdeck befinden sich eine Menge von Details, wie außenliegende Torpedos, die Ankerwinde, Sauerstoffflaschen, die Auspuffanlage, die WC´s, Telefonbojen, Leitungen, usw., wie es eben so bei den alten U-Booten üblich war.

Es fehlen bei meiner S.M. U14 auch noch ein paar Details auf (z.B. die Acht-Acht) und unter dem Oberdeck, aber diese sind in Arbeit.

Technische Daten:

Original S.M. U14 (Curie)

S.M. U14 M1:40

Länge:

52,12 m

1.304 mm

Breite:

5,20 m

180 mm

Tiefgang:

3,20 m

ca. 75 mm               

Verdrängung á:

410 t

7,5 kg

Verdrängung â:

552 t

8,3 kg

Stapellauf:

18. Juli 1912

12. Mai 2008

RC – Funktionen:

  • Tiefenruder Bug
  • Tiefenruder Heck
  • Seitenruder
  • 2 x Antrieb – stufenlos vor- und rückwärts – getrennt ansteuerbar und Seitenruderlage abhängig
  • Regelzelle: Kolbentank lenzen – fluten, proportionale Ansteuerung
  • Tauchzelle; fluten - lenzen
  • Drucksensor und Tiefenregelung
  • Positionslichter
  • Soundmodul (in Arbeit)
  • Notlenzen bei Wassereinbruch, Akku Unterspannung, etc. über eine BTS Steuerung

Fahrbetrieb:

Das Eintrimmen erwies sich als äußerst aufwendig. Ursprünglich waren in meinem Konzept ja eine Regelzelle (500ml Engel-Kolbentankt) und zwei freiflutende Tauchtanks im Bug- und Heckbereich vorgesehen. Es zeigte sich aber bei den ersten Tauchtests, dass die S.M. U14 zu hecklastig war. Der hintere Tauchtank musste entfernt werden um das Heck mit Ballastblei und Auftriebskörpern stabil auszutrimmen. Der vordere Tauchtank wurde verkleinert. Nach einigem „Hin und Her“ mit weiterem Trimmblei und Auftriebskörpern konnte dann die S.M. U14 ihre erste Testtauchfahrt am Clubgewässer des 1. Vorarlberger Schiffsmodellclubs, dem „Waibelloch“ in Hohenems, bestehen. Der Tauchvorgang ist ein Abenteuer, wie es damals wohl bei der echten S.M. U14 auch war, an der Feintrimmung gibt es noch einiges zu optimieren.

Resümee:

Ich würde jedem empfehlen, der sich an den Rumpf im M 1:40 wagt, selber einen kleineren Kolbentank zu bauen und einfache, flache, mehrteilige Deckel mit Stiften zur Abdichtung des Druckkörpers zu verwenden. Dann wird man beim Bau wahrscheinlich die geringsten Schwierigkeiten haben. Für Freunde von alten U-Booten bietet die U14 sicher die richtige Optik und durch die Menge von Details an Deck eine Fülle von Möglichkeiten.

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